Sonntag, 11. Juni 2006

Re: 11-06

Na, einmal ein Resultat richtig getippt, wer sagt's denn. Durch das frühe Tor von Arjen Robben, der danach eine fulminante Soloshow im Angriff abzog, ähnelte das Spiel der gestrigen Begegnung England-Paraguay, war aber doch zumindest in der ersten Halbzeit um eine Klasse attraktiver anzusehen. Beim Tor der Holländer klappte wieder einmal das Positionsspiel der gegnerischen Abwehr nicht - bisher der running gag der WM. Serbien-Montenegro kam nach der Pause nur deshalb besser zur Geltung, weil die Niederlande bereits den Schongang einlegten, der Erfolg der Holländer wirkte aber nie wirklich gefährdet. Somit haben die beiden etablierten Fussballnationen in Gruppe C nach dem ersten Spieltag die besten Karten, der vorentscheidende Schlager am Freitag heißt Niederlande-Elfenbeinküste.

Spiel zwei, ang'schaut hab ich's mir, aber eine geistige Auszeit hab ich mir dabei doch genommen. Das galt auch für die Verteidigung des Iran, die sich in einer lange Zeit dahin plätschernden Partie irgendwann selbst eingeschläfert hatte. Am Ende war's ein "normales" Ergebnis, Weltmeister wird aber auch Mexiko nicht werden.

Am Abend wieder mal das nun schon alte Lied - rasche Führung (einmal mehr verursacht durch einen krassen Fehler der Verteidigung) und in der Folge schläft das Spiel immer mehr ein. Von "aufgeladener Atmosphäre" war null zu merken, ganz im Gegenteil zeigte Angola vor Portugal viel zu viel Respekt und riskierte gerade mal eine Serie von hoffnungsfrohen Weitschüssen, ganz so als ob man seinem einstigen Herrscher nicht zu nahe treten wollte. Die Positionen in Gruppe D sind somit zugunsten von Portugal und Mexiko bezogen, es war im Grunde auch nichts anderes zu erwarten.

Pre: 11-06

Am Nachmittag trifft die Torfabrik der Niederlande (27 Quali-Treffer) auf die Torverhinderer aus Serbien-Montenegro (nur ein Quali-Gegentor in zehn Spielen), und es wird ganz darauf ankommen, welches der beiden Systeme hier die Oberhand gewinnt. Die Serben werden wenig beachtet, sind aber mit einigen Wassern gewaschen, Obacht. Viele Tore werden wir hier nicht erleben, wage ich zu behaupten. Tipp also: SCG-NED 0:1.

18 Uhr Mexiko-Iran, ob ich mir da nicht eine Auszeit nehme? Doch irgendwas riecht mir hier nach Überraschung - der Iran scheint mir gut drauf zu sein, Mexiko hat nicht die Form vom letzten Jahr und neigt zur Selbstgefälligkeit. Ich tipp einfach MEX-IRN 2:2.

Das Abendspiel ist eine ganz heiße Sache. Das Schicksal wollte es, dass Angola sein WM-Debüt ausgerechnet gegen seinen einstigen Kolonialherren Portugal gibt. Zahlreiche Spieler Angolas sind zudem in der portugiesischen Liga aktiv. Bisherige Begegnungen endeten zwar mit deutlichen Siegen Portugals, aber das zählt heute abend nicht mehr. Allerdings denke ich, dass Angola einfach fussballerisch zu schwach ist und die routinierten Portugiesen der aufgeladenen Atmosphäre eher gewachsen sein werden. Mein Tipp: ANG-POR 1:3.

Re: 10-06

Bisher hab ich noch kein einziges Spiel über die volle Länge gesehen, bin überhaupt die ganze Woche konfus unterwegs gewesen. "So ist das also", würde die bessere Hälfte jetzt sagen, so ist das also (sag jetzt ich), wenn die bessere Hälfte nicht im Lande ist.

Gestern, das war nicht so das Wahre für mein subjektives Empfinden. Das (Eigen-)Tor von England hab ich haarscharf verpasst, und nachdem recht bald einmal klar war, dass in der mageren Partie nichts mehr passieren würde und die Engländer sich (enttäuschenderweise, aber irgendwie verständlich) gegen ein amorphes Paraguay auf das Verwaltungstechnische beschränken würden, bin ich nach 55 Minuten von dannen.

Retour zur zweiten Hälfte von Trinidad & Tobago gegen Schweden (1. Hälfte ausschnittsweise daheim gesehen) saß ich mit F. allein und mit klar verteilten Rollen im Kiosk - er T & T, ich SWE. Gestern ist mir zeitverzögert erst eingeschossen, dass Ibrahimovic ja dzt. Juventus-geschädigt sein muss - und man merkt es. Als hätte der Patient die ganze Mannschaft angesteckt agieren dann auch Leute wie Larsson, der als CL-Winner und WM-Abschiednehmer super drauf sein müsste, weit unter Niveau. Je länger das Spiel dauerte und je größer der Druck der Schweden wurde, desto größer wurde auch der Krampf und alles falsch gemacht, was man klassischerweise in so einer Situation nur falsch machen kann: Brechstange auspacken, Verzetteln in sinnlose Einzelaktionen, auf engstem Raum durch die Mitte spielen, und wenn nicht, dann setzt's überhastete Flanken und mißglückte Corner im Austro-Stil. Auf der Gegenseite wurden die aufgeweckten Trinidader immer ungezwungener und brauchten nur auf die Eigenfehler der Schweden warten, um lässige, kecke Konter zu fahren. Hier bewahrheiteten sich einmal die notorischen Stehsätze vom "befreit aufspielen" und "nichts zu verlieren haben". Nur zu verständlich, dass das Publikum ganz und gar auf Seiten des Außenseiters war, scheinbar hab ich aber seit dem Aufstand der Underdogs bei der letzten EM und dem Favoritensterben bei der WM 2002 die Krise damit und muss zum Psychodoktor.
F. jedenfalls hat's gut gefallen.

Am Abend schließlich ein wirklich sehenswertes, von beiden Seiten mit Verve geführtes Spiel, das beste bisher. Knackpunkt war einwandfrei das 2:0 der Argentinier mitten in die stärkste Phase der Elfenbeinküste hinein. Die Situation, die zum Tor führte, war im übrigen ein Musterbeispiel dafür, um jemanden sowohl ein nicht zu pfeifendes passives Abseits als auch das (in diesem Fall in die Hose gegangene) Konzept einer Viererkette zu erklären. Klar, der Lochpass von Riquelme auf Saviola war vom allerfeinsten, was Timing und Überblick anbelangt. Aber die Viererabwehr der Elfenbeinküste beging in diesem Moment einen letztlich spielentscheidenden Fehler - sie ließ sich in die Breite ziehen statt den Raum verengenden Schritt nach vorne zu machen und öffnete so die Gasse, was ein Könner wie Riquelme sofort bemerkte und eiskalt ausnützte. Allen Respekt aber den Ivorys, deren Widerstand ungebrochen blieb. Der Anschlusstreffer des mit Riesenherz fightenden Drogba war mehr als verdient und sorgte für eine tolle, doch leider unbelohnte Schlussoffensive. Gegen den Sturm und Drang der Elfenbeinküste setzte sich die größere Reife und Abgeklärtheit der Argentinier durch, auch das muss man anerkennen, und in dieser Gruppe ist sowieso noch alles drinnen.

Zwischenbemerkung

Ich seh schon, so geht das nicht. Erst der zweite WM-Tag, und schon ist der ganze Tagesablauf durcheinander. Ab sofort also mit Laptop on the road zum TV-Match und in den Spielpausen was schreiben, auch wenn das beknackt aussieht. Jetzt schaff ich keine Rückschau mehr, nach vier schon wieder, ab ins horizontale Fach.

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