Mittwoch, 11. Januar 2006

Ich pack ihn nicht

Ich glaub', ich seh nicht recht, als ich heute die Zeitung aufschlag': Paul Scharner erzielt bei seinem Einstandsspiel für Wigan Athletic im Semifinale des englischen Ligacups gegen Arsenal das entscheidende 1:0 mit einem tollen Flugkopfball. Scharner! Gegen Arsenal! In seinem ersten Spiel auf der Insel! Und ich hab' gestern noch überlegt, ob ich mir das Match anschauen soll, dann aber gedacht, ach geh, Arsenal war letztens so schwach, und wer weiß spielt der Scharner überhaupt. Ich Esel!

paulscharner300

Paul Scharner galt ja bis vor kurzem als abgehobener Sonderling (to say the least). Bei der Austria wurde er rausgeschmissen, nachdem er eine Einwechslung verweigerte, da er nicht auf einer von ihm ungeliebten Position spielen wollte. Er schwörte Stein und Bein auf einen von ihm engagierten Privattrainer, von dem es hieß, er würde dem Spieler nur Flausen in den Kopf setzen. Scharner hatte bald den Ruf weg, sowohl unbedarft als auch größenwahnsinnig zu sein und fiel oft mehr durch bizarre Haircuts denn durch seinen hölzernen Verteidigungsstil auf. Nach seinem Abgang bei der Austria ging er für eine Halbsaison zu den damals noch vergleichsweise mittellosen Salzburgern und wechselte dann nach Norwegen zu Brann Bergen - auch nicht gerade die Welt.

Man hatte Scharner schon abgeschrieben, als er überraschend zu einem Teamcomeback im Auswärtsspiel gegen England kam und gegen die englischen Starspieler unbestritten souverän agierte. Irgendetwas muss mit Paul Scharner (25) in Norwegen vor sich gegangen sein - ungläubig las man, er wäre dort der Liebling der Fans, er würde konstant gute Leistungen bieten und man wäre in England auf ihn aufmerksam geworden. Dennoch dachte man sich erneut, der Typ ist nicht ganz knusper, als er ein Angebot von Birmingham mit den Worten quittierte, dies sei nicht gerade sein Wunschverein in der Premier League. Schließlich kaufte ihn Wigan um 3,7 Millionen Euro - und die zahlt man nicht auf Luft. Zum Vergleich: Emanuel Pogatetz, zuvor immerhin bei Spartak Moskau und früher bei Leverkusen, war Middlesbrough eine Mille weniger wert gewesen. Brann Bergen hatte für Scharner nur ein Jahr zuvor noch nicht einmal ein Fünftel der Summe hinlegen müssen.

Kleiner Exkurs: Sowohl Scharner als auch Pogatetz werden von der österreichischen Sportmarketing-Agentur "Stars & Friends" vertreten, die über sehr gute internationale Kontakte verfügt und neben vielen anderen auch zahlreiche jüngere heimische (Team-)Spieler betreut (Katzer, Standfest, Kiesenebner, Mair, Lasnik, Dollinger, Fuchs, Schicker u.a.) - wer weiß, was da noch kommt.

Jedenfalls bin ich inzwischen geneigt zu glauben, dass Scharners Traumdebüt gestern keine Eintagsfliege war und leiste hiermit Abbitte: Ich glaube, ich habe den Pauli aus Purgstall unterschätzt.

Das sagte im übrigen Wigans Manager Paul Jewell über die Darbietung seiner Neuerwerbung: "Scharner gave us that extra spark. He gave us a lift and that energy we needed, and he made a difference. We bought him mainly to play as a centre back but he can play in midfield, and he likes to run all over the park. So that is another string to his bow, and the goal epitomises his performance."

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